Samstag, 8. Dezember 2012

30.November - 06. Dezember,...So weit der Himmel reicht...








So weit der Himmel reicht...

Die Tage gingen ins Land, unser Hausstand wuchs, es wurden Schüsseln, Löffel und Becher aus Holz her ausgebrannt und unsere Schneehöhle hatte jetzt eine Weiche und isolierende Schlafunterlage aus Kedratschzweigen die wir etwas Schräg in den Boden steckten damit sich mehr Luftpolster bilden konnten. Sogar eine kleine Schlagfalle aus einem Stein und drei Stöcken und eine Fangschlinge hatte uns inzwischen einige fleischige Mahlzeiten eingebracht und uns mit dem so dringend im Winter benötigtem Fett versorgt. Micha brachte es ab und zu sogar zu einem ordentlichem Fisch den wir sogleich in dünne Scheiben schnitten und an der Luft trocknen ließen, somit hatten wir sogar etwas für zwischendurch zum Essen auf unseren immer größer werdenden Streifzügen rund um unseren Lagerplatz. So mag wohl einige Zeit ins Land gegangen sein bis die Wetterlage sich änderte und wieder größere Schneefälle einsetzten und es nur noch wenig Tageslicht gab, die Nächte immer länger. Es musste jetzt also kurz vor der Wintersonnenwende sein! Zeit weiter zu ziehen, Zeit zurück zu gehen in die Welt der Genossen und Genossinnen, der Kolchosen und des Fortschritts. Dort hin wohin man uns gesandt hatte, um von unseren Sowjetischen Brüdern zu lernen, zu lernen wie man einen anständigen sozialistischen Staat aufbaut indem es das Unrecht der Klassengesellschaft nicht mehr gibt, alle Menschen sich Brüder sind, das Volk und nicht mehr der einzelne die Macht und das Eigentum besitzt?
All das ward uns, sonst so eifrigen Studenten die wir die Basis unseres kleinen Arbeiter und Bauernstaates sein wollten, nun so völlig fern, ja es schien sogar nicht mehr wichtig zu sein. Wir fühlten so als ob wir das erste mal richtig wahrhaftig lebten, ganz einfach und ohne den so heiß geliebten und gelobten Fortschritt mit seinem hohen Tempo. Die Natur sorgte nun für uns, die Natur sorgte für ihre Söhne, nicht mehr unser Staat...
Wir dachten, diskutierten, debattierten...und gingen! Wir verabschiedeten uns voller Ehrfurcht von dem Platz der uns für kurze Zeit Heimat geworden, der für uns gesorgt hatte in schwerer Stunde, alles bereit hielt ohne zu verlangen, wartete ohne Ungeduld bis wir alles entdeckten. Als wir gingen, gingen wir gestärkt, und man würde nicht meinen das wir die letzten Tage in Schnee und Kälte verbrachten ohne Ofen und Haus! Doch unser Schritt war kraftvoll und leicht als wir den Biegungen des Bystrajaflusses folgten, die Ochotnikis uns über den hohen Schnee hinweg trugen.
Wir überquerten zu Eis erstarrte Flüsse, fuhren durch den Schnee umgedrückte Kedratschwäldchen, stapften durch Lächenwälder, weite Tundraflächen durchquerten steile Geröllfelder und Hänge, mal Nahe am Strom, mal weit vom Strom. So vergingen wohl Stunde um Stunde, bis die Dämmerung über uns herein zu brechen drohte, als Micha plötzlich ein Lichtlein in der Ferne sah, sich die Umrisse einer Hütte aus der Dämmerung schählte, Rauch aus einem Kamin aufstieg. Wir schnallten ab und klopften an. Ohne viele Worte waren wir hereingebeten und an den groben Tisch gesetzt, alles ganz selbstverständlich. „Ich habe euch bereits erwartet!“Eröffnete uns Ljuda, ein alter kleiner Mann mit langem grauen Fusselbart und tiefen Lachfalten um die Augen, mit freundlicher Stimme und ersichtlicher Freude über unsere verdutzten Gesichter. „Ihr seid die Beiden Nemezkis die es vor ein paar Wochen übel erwischt hat, aber euch ist`s gut ergangen, stimmts? Sie hat für euch gesorgt, stimmts?“ Wir nicken nur sprachlos, was Ljuda nur noch mehr erheitert. Woher weist du das und wer ist Sie? Wollte ich nun wissen mit meinen paar Brocken russisch und einer Unschuldsmiene wissen, da ich mir nicht sicher war was er meinte. „Na, grüne Mutter natürlich! Kommt schon ihr habt`s doch auch bemerkt, ich habe euch beobachtet, tut nicht so! Sie hat euch beschenkt, über euch gewacht, euch umsorgt! Und ihr wart dankbar, wolltet doch erst gar nicht fortgehen, habt diskutiert, lang lange Zeit und dann seid ihr gekommen...hierher zu mir, zum alten Ljuda!“
Micha war irritiert, aber findet ein paar Worte. Aber wie...wie konntest du wissen? Wie... du hast uns die ganze Zeit beobachtet? Ich dachte wir waren allein? Jaja, dachtet ihr also hihi feigst der alte Ljuda. ...Wart ihr auch wart ihr auch...zeitweilig, allein und doch nicht einsam, stimmts? Ich verstand kein Wort mehr, alles drehte sich in meinem Kopf...und doch wusste ein Teil von mir ganz genau was Ljuda meinte, das er recht hatte! Ja, es war mir auch so vorgekommen als ob sich jemand die ganze Zeit um uns kümmerte. Doch wir waren ja ganz allein da draußen...da war niemand außer uns und doch hatten wir Beide die ganze Zeit das Gefühl gehabt behütet zu sein, wir hatten uns ja sogar richtig wohl gefühlt. Micha fand jetzt auch endlich wieder aus seinen Gedanken und fragte. Du Ljuda, was meinst du damit du hast uns die ganze Zeit beobachtet, wir waren doch allein dort im Tal mit all den Tieren, Bäumen, dem Wasser und dem Schnee?
Ja, wart ihr und doch wart ihr`s eben nicht, Söhnchen! Sagte Ljuda mit vielsagender Miene. Hast du denn die Raben gar nicht bemerkt, Michael? Äh doch...entfuhr es Micha verdutzt, das der Alte offensichtlich seinen Namen kannte. Siehst du, meinte Ljuda schelmisch grinsend. Ja, wir haben den Raben ein paar mal etwas von unseren Essensresten hingelegt, fiel es mir ein.
Und es hat ihnen anscheinend sehr gut geschmeckt euer Eichhörnchen und der Schneehase...erwiderte der Alte, legte den Kopf schräg zur Seite und wirkte so als habe er den Geschmack von etwas völlig erlesenem auf der Zunge. Da fielen mir plötzlich die fast schwarzen Augen Ljudas auf und ich blickte zu Micha, der wohl laut seinen skeptischem Blick auch grade diese Entdeckung gemacht haben musste. Doch vielleicht täuschte ich mich auch einfach. Wir versuchten noch mehrmals genaueres von Ljuda zu erfahren, was er denn nun meinte, doch aus dem alten Kauz war nichts, wirklich rein gar nichts klares herauszubekommen. Von der wohligen Wärme, dem vielen heißen Tee wurden mir meine Augen langsam schwer, so als ob ich Tagelang nicht geschlafen hätte und allmählich sank mein Kopf auf den Tisch. Ich muss wohl eingeschlafen sein! Doch als ich erwachte war ich nicht etwa in Ljudas alter Hütte sondern lag mit Micha an meiner Seite auf Kedratschzeigen gebettet und zugedeckt unter einer große alten Lärche, der Morgen dämmerte bereits und es war kalt. Über uns auf einem Ast krächzte ein Rabe und hüpfte aufgeregt auf und ab, bis auch Micha endlich erwacht war, dann flatterte er uns ca. zwei Meter vor die Füße, legte den Kopf schief und sah jeden von uns noch mal prüfend an, so als ob er sich vergewissern wollte ob es uns gut gehe und flog unter lautem Krächzen davon.
Verwirrt von unser Lage rappelte ich mich auf klaubte etwas Reisig zusammen, sammelte ein paar trockene Äste und entzündete ein Feuer. Schweigend saßen wir noch lange da bis die Sonne hoch am Himmel stand. Wir aßen noch etwas von unserem Trockenfisch und machten uns dann auf den Weg den mein Kompass und der Lauf des Tales uns wies. Nach etwa vier Stunden auf den Ochotnikis hörten wir schon aus der Ferne her das erste Hundegebell, wir hatten es also tatsächlich geschafft, wir kamen der vermeidlichen Zivilisation immer näher. Bald Tauchten die ersten Schlittenspuren auf und bald Wege, erste Bauten, dann kam die Siedlung in Sicht. Esso, da war es also wieder. Im Außen sah noch alles sah noch gleich aus und doch in unserm Inneren hatte sich wohl alles verändert!

Ab diesen Tagen sahen wir anders auf die Welt, wir sahen überall die grüne Mutter!


30. November - 06.Dezember, ...Ausgesetzt!








...Ausgesetzt!

Am frühen Nachmittag des 30.November im Jahre 19 49, wurden wir, die Genossen Benjamin Detlefowitsch und Michael Klausowitsch vom Genossen Direktor auf dem süd- westlichen Vorposten der Zivilisation , am Dimschikanski Kardon abgesetzt. Es wollte einfach nicht richtig hell werden am diesem grauen Freitag Nachmittag und mit Mühe und Not hatte sich das alte Kettenfahrzeug Nr.5 trotz des starken Schneesturmes durch die eisigen Schneemassen und Eisplatten Flüsse gewühlt, bis es schlussendlich nach einer steilen Passage den Berg wieder hinab rasselte und vor einer kleinen Ansammlung von Hütten zum Stehen kam. Dunkel und abweisend lag das alte Dimschikanski Kardon in der Talsohle des Bystajatals, direkt unterhalb des kleinen Plateaus auf dem sich das Kardon befand hatte sich der Bystrajafluss sein Bett tief in das Fleisch des Tales gegraben. Dank seiner Schnelligkeit war der Fluß trotz der hohen Minustemperaturen der letzten Wochen immer noch nicht vollständig zugefroren, weshalb ein stetiges Rauschen und Rumpeln zu hören ward. Hier würden unsere wir nun unseren Dienst für den Frieden leisten und die Wildnis, äh die Zivilisation gegen imperialistische Wilderer und ähnliche kapitalistische Strauchdiebe aus dem Westen zu verteidigen, die trotz der zahlreichen wohlwollenden Agitationsversuche des örtlichen Parteiorgane nicht bereit waren anzuerkennen das jetzt auch das wilde Bergland des Bystrinsky Rajons endlich Volkseigentum geworden war. Immer wurde von kleineren Zwischenfällen berichtet aus der Richtung des Ischinsky Berges wo kleinere Grüppchen auf dem Volkseigen Land der kleinen Kolchosen von Esso wilderten und marodierten. Man hatte uns schon vor Beginn ihres Einsatzes auf besonders harte Bedingungen in dieser Region, im Bergland Mittelkamtschatkas hingewiesen und vor den oft stark alkoholisierten und besonders brutalen Marodeuren gewarnt. „Mit Denen und mit dem Wetter sei nicht hier zu spaßen“, hieß es oft!
Ja, ein etwas komisches Gefühl war es schon als das Kettenfahrzeug davon rasselte und wieder Stille in die weite verschneite Landschaft einkehrte. Nun wurde Holz gehackt, in die Hütte geschafft und sich auf die erste kalte Nacht vorbereitet, die wohl nicht sehr lang werden würde.
Das Tosen des Windes und das Säuseln des Bystrajaflusses ließ uns in einen unruhigen Halbschlaf sinken. In der Zweiten Nachthälfte schreckten wir hoch, Pferdegetrappel war zu hören und laute rufe die immer näher zu unserer Hütte kamen. Und war da nicht noch in weiter Ferne ein Schuss? Jetzt waren wir wach und höchst alarmiert, innerhalb von 5 Minuten waren wir angezogen und auf den noch müden Beinen. Ein neuer Schuss platzte diesmal dicht neben der Tür ins Holz der alten Hütte und eine barsche Männerstimme in einem russischem Dialekt forderte uns auf mit erhobenen Händen herauszukommen. Wir konnten nun hören das es etwa fünf bis sechs Männer auf Pferden sein mussten die hier mitten in der Nacht versuchten uns aus unsere Hütte zu treiben. Uns blieb nur wenig Zeit zum Handeln denn die barsche Stimme von draußen wurde hörbar ungeduldig und befahl einen seiner Männer die verdammte Tür aufzubrechen. Ich blickte zu Michael und der Entschluss war klar, klarer in seinen Augen ablesbar als jede Antwort, wir würden uns nicht gefangen nehmen lassen sondern unser heil in der Flucht suchen. Leise öffneten wir das Hinterfenster in der Küche und warfen unsere sieben Sachen und ein Paar Vorräte die wir noch greifen konnten aus dem Fenster, dann sprangen wir Einer nach dem Anderen hinterher. Just in dem Augenblick wo wir unsere Ochotnikis gegriffen und uns hinter die nächste Schneewehe geworfen hatten die die Seite des Holzstapels zu Haus verdeckte, splitterte drinnen unverkennbar das morsche Holz die Eingangstür und irgendwelche Befehle wurden draußen wild durch die Gegend gebrüllt. Nichts wie weg, nur möglichst weit weg von diesem unseligen Ort und diesen Halunken die mit Garantie nicht Chai mit uns trinken wollten. Wir kämpften uns bis zur Erschöpfung durch den knietiefen bis hüfthohen Schnee, in eine Richtung in der wir Osten vermuteten doch durch die Dunkelheit und das dichte Schneetreiben war es eher eine Ahnung denn eine bewusste Entscheidung in die unsere Flucht uns führte. Erst als es zu leicht Dämmern begann konnten wir unsere Ochotnikiskier anschnallen und waren waren darauf bald irgendwo in die Nähe des Flusses gelangt und buddelten uns eine kleine Höhle in eine Schneewehe die uns hoch genug erschien um uns vor der Kälte zu schützen und uns vor neugierigen Blicken zu verbergen, wenigstens für ein paar Stunden. Wir krochen hinein und schliefen fast augenblicklich ein. Als wir nach ein paar Stunden erwachten hatte es aufgehört zu schneien und die Sonne stand schon hoch an einem erstaunlich blauen Himmel der das Geschehen der letzten Stunden unrealistisch und surreal erschienen ließ, nur unsere knurrenden Mägen und unseren wenigen Habseligkeiten die wir vor unserer Flucht zusammenraffen konnten erinnerten uns das unsere Erinnerungen kein böser Traum waren, sondern bittere Realität.
Unter den paar Dingen die ich gestern Nacht überstürzt hatte zusammenklauben können war unter anderem ein alter Kompass den man immer erst mit leichtem Klopfen zur Zusammenarbeit bewegen musste, mein geliebtes Holzklappmesser und wenig Proviant. Ersteren holte ich nun hervor klopfte ihm gutmütig auf das zerkratzte Abdeckglas und wartete. Nach ein paar Minuten pendelte die Nadel sich gen Nord-Osten ein, wo sich auch ein kleines Tal erstreckte durch welches sich die Bystraja schlängeln musste und durch das wir über lang oder kurz wieder in die kleine Siedlung Esso gelangen würden. Zurück in die Wärme und Sicherheit der Zivilisation! Doch vorerst waren wir hier und es war kalt und uns knurrte der Magen, zudem konnten wir hier nicht bleiben denn niemand von uns wusste ob die Spießgesellen von gestern Nacht nicht letztlich nach uns suchen würden und wer weiß was uns dann noch alles blühten würde. Glücklicherweise hatte der gnädige Schneesturm von gestern Nacht unser Spuren verweht, uns unter seinem weißen Umhang aus Schneegestöber schlüpfen lassen und uns in eine vielversprechende Richtung davon getragen. Also marschierten wir los, immer weiter stapften wir auf unseren breiten Skiern in die Weite des verschneiten Tals hinein durch das munter die Bystraja sprudelte, ohne unsere guten Ochotnikis wären wir sicher bis zur Hüte im Schnee versunken und bei Weitem nicht so schnell voran gekommen. Am Nachmittag machte das Tal plötzlich einen Knick und zeigte an den Seiten eine kleinen Bauch in dem ein kleines Wäldchen wuchs. Hier würde es sich gut aushalten lassen für ein paar Tage, denn die Einbuchtungen boten Schutz vor Blicken, die Lärchenbäume und der Kedratsch boten Holz für Feuer und laut den Spuren gab es hier auch einige Tierchen die sich mit ein wenig List und Ausdauer würden fangen lassen. Und da die Bystaja durch das Tal sprudelte gab es folglich auch Wasser. Gut, somit machten wir uns sofort daran einen Schneehaufen aufzuschichten der groß genug war um ein passables Quinci für uns Beide entstehen zu lassen. Nach drei Stunden Schnee schaufeln und alles schön festklopfen, zwei Stunden Wartezeit bis die Schneekristalle sich miteinander verbunden hatten und alles ausgehärtet schien buddelten wir schlussendlich eine Höhle in den Schneehaufen. Bis zum Einbruch der Dämmerung hatten wir dann eine komfortable Höhle gegraben die genügend Platz für ca. drei Personen bot und ein Luftloch besaß, das wir des Nachts etwas frische Luft bekommen, es jedoch nicht auskühlen würde. In normalen Frostnächten bis – 20C° sank die Temperatur meist nicht unter 0C° bis -1 C, also bei entsprechendem Wind und Wetter eine schöne warme Unterkunft!
Somit waren wir erst einmal versorgt, ein paar kleine Fallen gestellt, Holz gesammelt und ein Feuer gemacht, ein Kanten Brot, ein wenig Speck und die Welt war schon nicht mehr so arg! Ja, es fühlte sich jetzt sogar nach richtigem Abenteuer an...Eines das wir wohl so schnell nicht vergessen würden...


Donnerstag, 29. November 2012

27. -29. November, südlich von Esso,...Kalt!







...Kalt!

Als ich morgens erwache ist es schweinemäßig Kalt, sprich sehr kalt, man könnte meinen ich liege schon in unserer Grashütte. Aber wieso nur, wieso ist es hier so erbärmlich kalt im Zimmer? Ist vielleicht das Fenster offen, oder meine Decke weggerutscht, oder vielleicht ist es draußen auch so kalt das die Heizung es nicht mehr schafft? Nein, das ist wahrscheinlich alles nicht die Ursache, mich beschleicht ein ungutes Gefühl, och nö bitte lass es nicht wahr sein! Die Heizung ist mal wieder kaputt, die Rohre eiskalt! Irre kichere ich unter meiner Bettdecke hervor die ich über den Kopf gezogen habe, Kamtschatka klar was sonst! Einen wunderschönen guten Morgen wünsche ich ihnen Herr Ziep, los aufstehen faules Volontärspack, schallt eine Stimme in meinem Kopf und beginne mich zu fragen ob dies vielleicht eine Disziplinierungsmaßnahme der Parkverwaltung ist, um die widerspenstigen deutschen Volontäre, die ja eigentlich gar keine normalen Volontäre sind, und von denen sowieso keiner weiß was die hier eigentlich die ganze Zeit treiben, endlich mal zu anständiger Arbeit zu ermuntern! Als mein Telefon klingelt und mir Ninja mitteilt, das ich Russlan in einer Stunde in der Garage helfen soll, verhärtet sich mein Verdacht noch. Man, das unsere russischen Kooperationspartner das nicht endlich mal geschnallt haben, nach einem halben Jahr, immer wieder haben wir es versucht zu erklären. A) Wir sind keine normalen Volontäre, somit nicht immer Abrufbar, wir haben unser eigenen Aufgaben und Pläne. B) Man kann uns am Anfang der Woche auf der Planjorka, oder mittels eines Mobieltelefons falls wir nicht in Esso sind, gerne mitteilen das der Park unsere Hilfe benötigt und einen Termin mit uns absprechen! Aber zum hundertsten Mal, eine Stunde vorher anrufen und uns irgendwohin zitieren, ohne Angabe was zu tun sei, das funktioniert nicht! Somit muss Russlan leider heute alleine Arbeiten. Wie war das, nicht aufregen nur wundern!
Und somit wundere ich mich weiter, denn als ich den Wasserhahn aufdrehe um mir einen guten Morgen Tee zu kochen, gurgelt es mir nur entgegen, das gibs nicht in der Leitung ist kein Wasser mehr drin! Das ist arg heute, keine Heizung und somit kein warmes Wasser, kein kaltes Wasser und somit kein Trinkwasser, denke ich bei mir als ich feierlich den Wasserkoch einschalte, der zu meiner großen Freude noch Restwasser führt. Und...es passiert nichts, rein gar nichts! Unglaublich, dit jibt’s doch in keem Russenfilm, nicht ma in nem Dreiteiligen!
Doch, und ich bin life und in Farbe dabei...danke! Da war improvisieren angesagt und sogleich fördere ich den Campingkocher zu tage der in der Diele unter der Treppe auf bessere Tage gewartet hatte. Heute ist dein Glückstag Alter, brabble ich vor mich hin und meine eigentlich den Gaskocher, als ich den Gashahn aufdrehe und die luxuriöse Pizzerozündung drücke. Doch wo war das Geräusch? Gas macht doch immer so ein Geräusch wenn es ausströmt, ihr kennt das bestimmt es ist so ein feines zischen, aber es war stille...hier zischte janischt mehr! Ich schüttelte ungläubig die Gaskartusche, diese war offensichtlich leer und irgend ein Spaßvogel hatte diese wieder in die Diele gestellt. Nochmals, Danke! Ich wunderte mich also weiter, fest entschlossen diesem Tag der bis jetzt sagen wir mal suboptimal verlaufen war, doch noch eine Chance auf einen erfreulichen Verlauf zu geben. Somit ging ich mit mechanischem Grinsen nochmals in die Diele und beförderte doch tatsächlich unter der miefigen Kiste mit alten Gummistiefeln eine zweite Kartusche zu ans Licht, die durch hin- und herschwenken erahnen lies das sich noch gasförmiger Inhalt in ihr befinden müsste. Versuch macht kluch...sie geht! Fix marschierte ich nun zu unsere Hintertür mit einem Topf und einem Becher in der Hand um den zustand des Wassermangels abzustellen. Ich schmolz eben einfach den Schnee, dann würde ich schon zu meinem guten Morgentee kommen. Nach zehn Minuten immer wieder Schnee nach schaufeln hatte ich einen kleinen Topf voller Wasser der nun gemütlich auf dem Campingkocher dahin blubberte. Mein Tee war fertig und ich konnte dank des Gaskochers sogar noch eine paar getoastete Scheiben Brot essen die ich über der Gasflamme geröstet hatte! Somit rang ich diesem leicht chaotischen Morgen doch noch ein ganz passables Frühstück ab.
Dann packte ich mich ein und stapfte mit meinem russischen Schneeschuhen die ich auch noch in der Rupelkammer gefunden hatte durch den neuen Tiefschnee hinaus in den Wald. Im Rucksack hatte ich ein Paar dicke Steine die ich unter dem Schnee ausgebuddelt und heraus gestemmt hatte, diese sollten die Feuerstelle in der Grashütte umrahmen, auf das sie bei längerem Brand als Feuerschutz und Wärmespeicher dienen. Ich kam trotz meiner tollen Schneeschuhe nur langsam voran denn ich sackte bei jedem Schritt tief in den Neuschnee, irgendwie kam ich mir vor wie der böse Wolf aus die sieben Geißlein, den das Gewicht der sich in seinem Bauch befindlichen Wackersteine auch bei jedem Schritt arg zu schaffen machte, nur das ich die Wackersteine Gott sei danke nicht im Magen sondern auf meinem Rücken spazieren trug. Ächzend und laut vor mich hin stöhnend stapfte wie ein Greis ich durch den Winterwald, so das ich trotz der – 18C°Schweiß nass geschwitzt an unserer Grashütte ankam, um mich nach dem ich mich dem Stein der Schande entledigt hatte einfach blindlings in den Schnee plumpsen ließ. Die ganze Übung machte ich noch 3 mal und hackte noch auf Knien den Eisschnee im Eingangstunnel der Hütte fort, nach drei Stunden war ich so erledigt das ich demütig in die Basa zurück kroch um mir dort einen Tee zu kochen und meine Sachen zu trocknen. Am frühen Abend gab ich den Ochotnikis noch eine neue Chance und machte noch eine Tour durch den Wald um die Feuerholzlage im Revier zu checken. Mit der Dunkelheit kehrte ich dann völlig ein geschneit und erschöpft zurück in die immer noch im Dunkeln liegende, kalte Basa. Heute schlief ich wohl nicht mehr in der Hütte, sondern in meinem Bett!
Am nächste Morgen war das warme Wasser wieder da und nachdem ich aufgestanden war war das kalte Wasser auch wieder da, allerdings als braune rostige Brühe. Diese klärte sich erst nach einer halben Stunde Wasserverschwendung, der Strom blieb vorerst noch aus!
Gewieft, wie ich war versuchte die restlichen Steine heute auf dem Kinderschlitten den ich in der Rumpelkammer gefunden hatte zur Hütte zu transportieren denn mein Rücken waren die Bußgänge mit den Steinen der Schande gestern definitiv nicht bekommen. Ich zog also mit Schneeschuhen und Schlitten von dannen, doch schon hinter den Gewächshäusern bemerkte ich das mein Schlitten viel zu tief einsank und letztendlich umkippte. Ich verlor auf diese Art einen Stein nach dem Nächsten so das ich Schlussendlich doch dann jeden dieser wirklich großen Steine einzeln zur Hütte schleppte. Frau Holle schüttelte seit heute Nacht schon wieder ordentlich ihr Betten und es wurde dadurch heute irgendwie gar nicht richtig hell, dafür sah ich nach einer Stunde draußen bereits aus wie ein Schneemann. Zwei Stunden später waren meine Spuren wieder völlig zu geschneit es sah so aus als ob dort heute noch niemand gegangen wäre, so langsam kann ich mir vorstellen wie man sich bei starkem Schneefall richtig schön verlaufen kann.
Ich sammelte noch Holz für die Nacht welches ich drinnen neben dem Eingang stapelte und holte dann meine Sachen, das sollte sie jetzt also werden, meine erste Nacht alleine in der guten Grashütte und das bei dem Schneesturm. Ein großartiges Experiment fand ich, und kroch schon sehr früh in mein Schlafsack, pustete die Kerze aus und lauschte dem Wind. Nach ca. zwei Stunden bekam ich Besuch, dem Geräusch zu urteilen nach hatte ich einen kleinen Untermieter mit Nagezähnen, dieser raschelte lustig im Anderen Teil der Hütte herum und wir trafen die Abmachung das Er/Sie hier ruhig weiter wohnen bleiben kann doch ich gerne allein in meinem Schlafsack nächtigen würde. Ich erwachte nächsten Morgen nach einer unruhigen Nacht, es war erstaunlich warm in meiner kleinen Hütte, doch lockte ich erst einmal das Feuerkind zu mir um eine Chai zu kochen und im relativ warmen zu frühstücken. Draußen schien schon hell die Sonne und alles glitzerte wieder wie im Märchen. Alles sah so so schön aus, es war wirklich unbeschreibliches Gefühl als ich aus der Hütte gekrochen kam und in den Sonnenstrahlen stand. Es war jedoch nicht warm sonder empfindlich kalt, laut meinem Nasenthermometer vielleicht um die – 16C° - 18C°! Das ist meistens wenn die mein Bart und die Nasenhaare nach kurzer Zeit schon gefroren sind. Also schnell bewegen, Holz sammeln gehen um die innere Heizung wieder zum laufen zu bringen. Nach einer dreiviertel Stunde Holzsammeln im Tiefschnee, war ich wieder warm und startete zu einer kleinen Tour auf Ochotnikis. So frisch nach dem Schneefall war es ein guter Tag für Tracking ( Spurenlesen), zu sehen wer so alles um mich herum unterwegs war. Nach ein Paar stunden kehrte ich hungrig und durstig zurück, ich machte Feuer aß Brot, trank Tee und stapfte dann mit Sack und Pack zur Basa. Zu meiner großen Überraschung war der Strom wieder da und ich konnte mir einen schönen Hirsebrei basteln. Toll und alles so einfach, ich konnte nach den Erfahrungen der letzten Tage alles wieder besonders schätzen, nichts ist selbstverständlich!
Am späten Nachmittag ging ich nochmal auf Achse mit den Ochotnikis, Holz sammeln, Spurenlesen. Erst im letzten Dämmerlicht kam ich wieder in die in die Basa, nach einem schönen langen kalten Tag! Morgen geht’s dann für 4 Tage auf das Dimschikanski Kardon.

Das Thermometer zeigt übrigens grade – 30C°!



20. - 26.November, Esso,...Eingeschneit!






...Eingeschneit!

Die letzte Woche haben wir unterrichtend in der Schule verbracht und den Nachmittag bis zur Dunkelheit mit Kids im Wald. Das Wetter drehte sich in den letzten Tage vielmals und so konnte man nie wirklich sagen was morgen wird. Am Samstag fuhr die Esssopartygang mit Antons Schneemobil und Narte (Schlitten fürs Schneemobil) zum Dimschikanski Kardon, ich widerstand der Versuchung und machte einfach mal nischt. Zeit für Yoga und lesen, schlafen und essen! Am Sonntag fuhr Micha mit Dima nach Menedek und bastelte an der jetzt bis zur Hüfte im Schnee versunkenen Hütte. Ich ließ mich zu einem schönen Sonntagsausflug breitschlagen, es sollte noch mal auf die Hochebene gehen, diesmal bequem auf der Narte sitzend. Andrej und Anton hatten schon angespannt, Xjuscha ward noch in eine Thermohose gesteckt und schon brausten wir davon! Auf der Hälfte des Berges blieb Andrej mit dem Schneemobil stecken wenig später auch wir mit Anton und Narte...Endstation vorerst. Also Schneemobil umkippen das Schneemehl aus den Laufräder holen, neuen Schnee drunter, Anlauf nehmen, weiter. Naja, diese Prozedur machten wir noch ungefähr 10 mal dann waren die Mädels durch gefroren vom rumstehen und wir nassgeschwitzt vom alle 10 m Schneemobil umkippen. Das wars, der Schnee war einfach zu Mehlig, kein vorankommen Berg auf möglich. Wir kippten die Schneemobile ein letztes mal zum wenden, dann machte wir noch ein Feuerchen und fuhren in der Dämmerung langsam zurück zur Basa. Ok, ein erholsamer Sonntagsausflug war das definitiv nicht, aber langsam sollte ich es wissen das es so etwas hier auf Kamtschatka nicht zu geben scheint.
Am Montag machten ich und Micha uns wieder auf um in aller Herrgotts Frühe mit dem Bus nach Anavgaj zu fahren um weiter an unserem Mammutprojekt zu bauen. Doch was war das, als wir um 3 Minuten nach Acht an der Bushaltestelle ankamen, war alles dunkel und kein Bus mehr zu sehen...scheiß Dejavue! Wir warteten dann noch 20 Minuten und beschlossen dann wieder in die Basa zu gehen, schlafen...keine Ahnung was diesmal wieder los war. Wir hatten noch nie erlebt das der Bus hier pünktlich oder sogar überpünktlich abfuhr, bis heute anscheinend!
Nachdem wir munter bis um 10 Uhr gerazt hatten, gingen wir in den Wald und machten uns daran bei schönstem Sonnenwetter und klirrender Kälte den Wintereingang für die Grashütte zu bauen die nun ein Iglu geworden war. Die letzte Woche hatten wir schon eine Menge Kedratsch geschnitten und im Innenren als Bodenisolierung sternförmig um die Feuerstelle ausgelegt/ ineinander gesteckt so das Luftpolster entstanden.
Heute kämpften wir uns durch den Neuschnee der vorletzten Nacht, jetzt reichte er uns auch hier im Wald bis zur Mitte der Oberschenkel und machte das Laufen durch den Tiefschnee ohne Schneeschuhe oder Skier zu einer schweißtreibenden Angelegenheit. Wir Schnitten ein Paar Weidenstämme für die zu biegenden Bögen unseres Wintertunnels und Kleinmaterial zum verflechten. Dann wurde alles zurück geschleppt, gebogen, verflochten und im letzten Licht des Tages mit Kedratsch gedeckt und mit Schnee angehäuft. Endlich der Eingang war fertig und wir auch, das Thermometer zeigte bei unsrer Rückkehr um ca. 17 Uhr in die warme Basa schon wieder -21C°, es würde wohl mal wieder eine klare kalte Nacht werden. Naja, morgen geht Micha dann nach Anavgaj und ich werde in die Hütte übersiedeln. Unsere Wege trennen sich morgen bis Donnerstag, denn Micha geht nach Anavgaj an der Hütte baue und aus Esso fliehen, er brauch mal ein paar Tage Esso Urlaub. Es ist kompliziert geworden in den letzten Tagen, so beziehungstechnisch, die Party ist wohl vorbei! ;-)
Ich habe für mich entschieden das ich hier bleibe, der Grashütte den letzten schliff verpasse und einziehe, also das tue was ich hier noch im Winter machen wollte, draußen leben! Wenigstens ein wenig, und mir ist bewusst geworden das meine Tage hier auf Kamtschatka sind gezählt, die große Reise neigt sich langsam dem ende zu. Und das löst bei mir gemischte Gefühle aus, einerseits wartet auf mich zu hause eine tolle Frau, mein Zirkuswagen, meine Familie und Freunde, und eine neue Zukunft die gelebt werden will.
Zurück lasse ich wohl noch eine Menge unerledigte Dinge, Erfahrungen die ich gehofft hatte noch machen zu können, viele Wünsche und Illusionen! Aber gut, noch bin ich hier, noch hat es drei spannende Wochen, in denen eh immer alles anders kommt als geplant oder man es sich vorgestellt hat. Die einzige Chance ist da im Jetzt sein, das leben was grade dran ist! Und wenns mal nicht funktioniert mit der Gelassenheit, dann nicht ärgern, nur wundern!





Mittwoch, 21. November 2012

19. November, Esso,...zu Gast bei wilden Männern!











Дикие мужчин...zu Gast bei wilden Männern!

Heute war es dann soweit, Premiere für unser tolles neues Theaterstück und unsere Interaktionsstunde mit Schülern der 5. Klassen in der Schule von Esso. Nur soviel...ich, Rebecca und Ninja waren noch völlig im Eimer von unserem Sonntagstrip gestern und somit befand sich das Energie und Begeisterungsniveau unsererseits im unteren Drittel für unsere erste Stunde im Rahmen des Unterrichts in der Schule. Aber als wir dann in die Klasse purzelten merkten wir wir waren gut in Form und somit wurde viel gelacht und wir ernteten großen Applaus und eine Menge toller selbstgemalter Bilder der Schüler der Klasse 5. Nach unserem Auswertungsgespräch fühlte ich mich wie unter Jetlag, doch ich und Micha hatten noch eine Menge vorzubereiten denn heute war es dann endlich wirklich so weit...Xjuscha hatte heute Geburtstag! Und wir gaben heute Abend eine schöne Geburtstags Party für sie in der Basa und natürlich mit einem ganz besonderen Programmpunkt für unser Geburtstagskind.
Die abgelederten Chippendales Männerstripheinis waren gestern! Welche Frau will so was schon zum Geburtstag haben wenn Frau die echten, wettergegerbten, durch die Wildnis Kamtschatkas gestählten wilden Männer haben kann? Na? Keine!...und drum haben wir keine Kosten und Mühen für unsere Xjuscha gescheut um ihr einen ganz besonderes, unvergessliches, grandioses, hammermäßiges, unglaubliches Erlebnis zu bescheren, eines das sie ihr Lebtag mit Garantie nicht vergessen wird! (Kleines boshaftes Lachen vom Verfasser) ;-)
Xjuscha wurde abends von Rebecca und Anton, der die ersten zwei Kuchen seines Lebens gebacken hatte und die sehr lecker waren, abgeholt und zur Basa eskortiert wo Sie sich dann blind, mit verbunden Augen, an einer durchs ganze Haus gespannten Strippe die durch die verschieden Räume führte entlang hangeln durfte. Unterschiedlichstes erwartete sie in den verschiedenen Zimmern und als großes Finale gab es im letzten Raum eine Trommel und Tanzperformance von Micha, Andrej und mir, die sich gewaschen hatte. Dabei durfte die Gute dann endlich wieder Sehen! Danach wurde üppig gespeist und angestoßen so das die nächsten Stunden bei Musik, Tanz und Wein wie im Fluge verstrichen. Meine Wenigkeit verließ dann gegen zwei Uhr die Partymeute, da mich jetzt doch endgültig mein Schlafbedürfnis übermannte und ich überließ die Anderen sich selbst und ihrem illusterem Treiben im Untergeschoss der Basa. Beim vom Bass gleichmäßig vibrierenden Boden schlief ich dann weinselig und zufrieden ein, nur Bea fehlte! :-)
Und wenn sie nicht gestorben sind so tanzen sie noch heute...



18. November, Südwestliches Uksitschantal, Von abgebrannten Pelzen und verkohlten Stöcken...











Von abgebrannten Pelzen und verkohlten Stöcken...

Eigentlich war heute Ruhetag weil eben Sonntag, doch wie es eben mit dem Worte eigentlich so ist, ist auch der heilige Sonntag nicht immer zwingend ein Ruhetag. Heute morgen strahlte es kräftig in unser Zimmer herein so das mich die Sonnenstrahlen weckten und der Hunger mich aus dem Bette trieb. Doch erstmal gab es das volle 1,5 Stunden Programm Yoga für mich während ich im Licht der Sonnenstrahlen baden durfte. Am Frühstückstisch entschied ich dann, nicht ohne ein wenig schlechtes Gewissen meinem Körper gegenüber denn ein Tag Ruhe in der Woche bekommt mir doch recht gut, mit den Mädels und Andrej auf den Ochotnikis, kleine Holzskier mit Steigfellen unten daran, auf das Hochplateau südwestlich vom Uksitschantal zu steigen. Andrej wollte mit dem Schneemobil anfangen die ersten Spuren für Schneemobilstraße in den Norden Kamtschatkas zu machen und wir wollten uns auf den Ochotnikis zum Hochplateau auf machen. Alles hörte sich nach einem kurzen, netten Sonntagsausflug an und versprach sehr schön zu werden. Ich war zwar noch nie mit diesen kleinen Holzskiern unterwegs gewesen aber da ich ja dank meiner lieben Eltern, im speziellen meines lieben Vaters, recht fit in Wintersportangelegenheiten war und schon seit Kindertagen jeden Winter auf Skiern stand dachte ich mir das es ja so schwer nicht sein kann und ich war schon neugierig wie sich diese Skier fahren würden und wie die Steigeigenschaften wären.
Wir packten uns also dick ein denn erstmal ging es per Schneemobil und Narte zum Anfang des Weges der Gespurt werden sollte, sprich quer durch den Busch! Gleich als wir abgesessen hatten brauste Andrej davon und wir machten uns daran die Ochotnikis in Stellung zu bringen. Doch was war das, so richtig durchdacht erschien mir die„ Riemenbindung“, die lediglich aus ein paar Halteriemen bestand, nicht zu sein und bot dem Fuß keinen Halt so wie ich es bisher von Langlaufskiern, oder Schneeschuhen gewöhnt war. So konnte man wie bei einer Kabelbindung z. B. keine Spannung aufbauen. Ok. Dann probieren wir es eben so, vielleicht gibt es ja eine besondere Schritttechnik die diese Bauweise bedingt und die sich mir beim Laufen erschließen würde. Ihr wisst ja „ the knowing is in the doing“ wie unser guter Wildnislehrer Tom Brown Jr. Immer zu sagen pflegt! Nach ca. 30 min. gibt Ninja entnervt auf, ihr Ski löst sich ständig vom Fuß, die Riemen lassen sich nicht enger stellen und richtig spannen. Sie stellt die hölzernen Rutschbretter in den Schnee und geht zu Fuß weiter. Ich und Rebecca kämpfen uns tapfer die ersten Anstieg hoch, doch auch die guten Steigfelle halten leider nicht was sie versprechen und somit macht Rebecca des öfteren wieder einen Rückwertsalto. Ich versuche den nicht vorhanden Grip der Felle durch Technik kompensieren, was mir bei den ersten Anstiegen mit erhöhtem Krafteinsatz gelingt, doch als die Hangneigung noch steiler wird und selbst meine Versuche die steilen Anstiege zu umgehen fehlschlagen, ich ständig im alten Kedratsch hängen bleibe und auch hier nicht wirklich guten Halt bekomme, kapituliere ich wie Rebecca und Ninja auch. Die guten Skier kommen ab und in den Schnee, ich hab die Fresse voll, jetzt geht es zu Fuß weiter. Doch auch hier merke ich schnell das ich jetzt sehnsüchtig meine in Berlin gebliebenen Schneeschuhe vermisse, denn ich sinke ganz gut ein und das Gehen wird sehr Anstrengend. Nach zwei Stunden Aufstieg sind wir nicht wirklich sehr weit gekommen als uns Andrej auf dem Schneemobil von oben entgegen kommt und schon eine Stelle für ein Feuer ausgesucht hat. Noch 300m!
Dann machen wir ein Feuer, kochen Tee und essen etwas um dem jetzt ausgelaugten Körper wieder etwas Energie für den Abstieg zuzuführen. Es ist recht windig hier oben und somit bläst und der Wind immer wieder tückisch ins Feuer so das die Flammen hin und her züngeln. Als Ninja das Feuer füttern will senkt ihr ein Windstoß erstmal schön den Kunstpelz ihrer gute Flell Räven Jacke ab, oh was war da die Freude groß, jetzt muss wohl ein echte Pelz als Austauschobjekt her. Wir sind ausgelassen und als die Sonne langsam hinterm Berg verschwindet machen wir uns wieder auf den Heimweg. Als ich meinen Wanderstock greifen will fällt mir auf das wir diesen aus Kesselhalterung benützt haben und dieser jetzt etwas an seiner Länge eingebüßt hat was sich leider ein wenig suboptimal auf seine Stützeigenschaften auswirkt. Tja, die eine brennt sich den Pelz ab, der andere verkohlt sich den Stock! ;-) Die Skier werden jetzt als Arschrutscher umfunktioniert und wir sausen so immer wieder in den Tiefschnee und die Kedratschwurzeln, als das Gelände wieder flacher wird will ich es noch mal wissen und schnalle mir die guten Holzlatten wieder unter die Füße und rutsch auf ihnen nach hause. In der Basa angekommen schnalle ich jetzt erstmal die Langlaufskier unter mit denen ich eigentlich heute unterwegs sein wollte und drehe noch eine Ehrenrunde, bei der allerdings schnell merke das die Luft definitiv raus ist. Ich arbeite mich also mit letzten Kräften zur Basa zurück und dann ist ganz schnell hinlegen angesagt. Heute bin ich erschöpft wie schon lange nicht mehr...Essen, Bettgehen, Ende im Gelände!